Körperarbeit Lauterbach – Neuigkeiten

 

Januar 2019

 

Sexuelle Gewalt – meine Seele als Mann ist verletzt

In einigen Institutionen, in denen Kinder gepflegt, erzogen oder trainiert werden oder in die sie einfach zum Singen gehen, setzen sie sich heute der Gefahr aus, vergewaltigt zu werden. Sie können Opfer von sexueller Gewalt werden – egal ob sie im Thomanerchor in Leipzig, in der Odenwaldschule, beim Schwimmtraining oder auf der Kinderstation eines Krankenhauses oder in der Kindertagesstätte oder sogar für den Auftritt im Internet von ihren Eltern nackt gefilmt werden ... diese Kinder werden von Trainern, Pfarrern, Lehrern, KrankenpflegerInnen oder ChorleiterInnen vergewaltigt.

Sie können zu Opfern in der Familie werden – vom älteren Bruder, vom Vater, dem neuen Freund der Mutter, vom Großvater oder von der eigenen Mutter oder Tante.

 

Die deutschen Fakten

Die Paragraphen 174-181 und 225 des Deutschen Strafgesetzbuches sehen für diese differenzierten Straftaten Haftstrafen zwischen 6 Monaten und bis zu 15 Jahren vor-nach Schätzungen verschiedener Quellen (UBKSM, BKA, LKA Hannover, verschiedenen Hilfsorganisationen u.a.) kommen ca. 5-8 % dieser Fälle vor Gericht, von denen wiederum über 30 % aus Verfahrensfehlern, mangelnden Beweisen uä. abgewiesen werden.
Im Regelfall verjähren diese Strafanzeigen nach 10-15 Jahren.

 

Die Praxis und ihre Folgen

Wenn also ein Mann von seiner eigenen Mutter viele Male in seiner Kindheit vergewaltigt wurde, dies verdrängt und erst durch einen Zufall nach 20 Jahren entdeckt, wird diese Mutter straffrei sich weiter ihres Lebens erfreuen. Hingegen wird dieser Junge vom ersten Tag dieser Tat an sein Leben lang mit einer schwer verletzten Seele durchs Leben gehen.

Er wird kaum Verständnis in der eigenen Familie finden, ihm wird nicht geglaubt und er hat oft nicht die Kraft und den Mut, sich professionelle Hilfe zu holen. Er bildet sich ein, selber Schuld zu haben, er hat große Schwierigkeiten mit der eigenen Sexualität und große Schwierigkeiten, jemals zu Frauen wieder Vertrauen zu finden und aufzubauen. Eigene Grenzen und Grenzen anderer zu finden, zu deuten und einzuhalten sind für ihn fast unmöglich, da er genau dies nie gelernt hat, denn die Täterin hat diese, seine eigenen Grenzen stets verletzt.

Ein großer Teil dieser Opfer begehen im weiteren Leben Selbstmord, werden zu Borderline-Fällen, oft selbt zu Tätern oder/und verletzen sich selbst.

Sie werden drogenabhängig, haben lebenslang Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen, psychosomatisch schwere körperliche Einschränkungen – nur die Täterin hat im schlimmsten Fall ein schlechtes Gewissen.

 

„Fonds Sexueller Missbrauch“

Das deutsche Familienministerium hat erst seit 2014 einen „unabhängigen Beauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch“ und es gibt einen „Fonds Sexueller Missbrauch“, der bis zu 10.000 € dem Opfer zugesteht, auch wenn es in diesem Fall nicht zur strafrechtlichen Verfolgung kam.

Damit können teure langfristige Therapien finanziert werden, die selbst nicht von den Gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden wie z. B. Körperpsychotherapie.

 

Diese Anträge brauchen aktuell 18-24 Monate Bearbeitungszeit, da inzwischen tausende Anträge bearbeitet werden müssen. Obwohl diese Einrichtung des UBKSM vorerst nur bis 2017 geplant war, ist diese Befristung jetzt aufgehoben worden, und dieses Büro wird jetzt auf unbestimmte Zeit weiter arbeiten. Es gibt wenige ehrenamtliche Organisationen, die männliche Opfer beraten und begleiten, die meisten dieser Hilfsorganisationen beraten überwiegend natürlich Mädchen und Frauen, da ca. jede vierte Frau in Deutschland Kontakt mit sexueller Gewalt hatte und nur jeder 15te bis 20ste Mann hier Opfer sexueller Gewalt wurde. Der „Unabhängige Beauftragte für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs“(UBKSM) und seine wenigen MitarbeiterInnen sind letztlich ein kläglicher Versuch der Bundesregierung, die Aufhebung der Verjährungsfristen durch sehr viel Geld zu umgehen.

 

Meine Erfahrungen

Mein Anliegen hier gründet sich auch aus der eigenen Betroffenheit und der inzwischen intensiven Arbeit mit Männern, die Beratung und Begleitung suchen, weil sie nach vielen Jahren der Verdrängung sich diesem Schicksal stellen, weil sie diese komplexen Probleme in ihrem Leben begreifen, einordnen und letztlich überwinden wollen. Nach vielen Jahren weiß ich selbst, dass diese Überwindung nicht ohne bleibende Reste zu schaffen ist.

 

Das gründet sich bei mir durch die massive chronische sexuelle Gewalt, aber auch durch die lange Zeit der Verdrängung. Ein Kind, das nach kurzer Zeit Unterstützung findet, die Täterin oder den Täter vor Gericht bringt, eine wirklich effektive Traumatherapie und ein helfendes Umfeld vorfindet, hat wahrscheinlich sehr viel mehr Chancen, früh in seinem weiteren Leben dies loszulassen und zu überwinden. Es bleibt wohl immer ein Rest der seelischen Verletzung. Scham und vor allem selbstzugewiesene Schuld, mangelndes Selbstvertrauen, Reflektion der sehr stabilen Verhaltensmuster und teilweise schwere psychosomatische Krankheiten und Einschränkungen der eigenen Sexualität führen zu einem isolierten, schwer sozial zu integrierendem Menschen, der in Wirklichkeit ein zweites Mal bestraft wird.

 

Therapeutische Praxis

Therapien hier zu finden, die zeitlich und inhaltlich angemessen und effektiv sind, ist in Deutschland schwierig und vor allem auf dem Lande kaum zu finden. Die klassische Psychoanalyse löst wenig, kognitive Verhaltenstherapie ist nur begrenzt tauglich, da sie rein rational den Klienten erreicht. Viele Therapeuten sind fachlich nicht in der Lage, sich dem Thema anzunehmen und durch die große Nachfrage auch wenig geneigt, sich dafür zu entscheiden, denn es gibt ja wesentlich „einfachere Klienten“ in Hülle und Fülle, mit dem man leichter Geld verdienen kann.

 

Aus meiner Erfahrung heraus halte ich eine körperorientierte Psychotherapie in Verbindung mit einer sehr fundierten Traumatherapie und die Integration in einer nur von Männern initiierten Selbsthilfegruppe für notwendig. Ich hatte das Glück, nach meiner Psychotherapie über ein Jahr jede Woche in einer Inzest-Selbsthilfegruppe (KISS) mitzuwirken und über mehrere Jahre bei „mankindprojekt deutschland“ zu arbeiten und Prozesse von Männern hier zu begleiten.

 

Männerarbeit

Hier hatte ich viel Berührung mit anderen Männern, die nach einigen Prozessen in diesen Gruppen das erste Mal mit diesem ihrem Thema sich vertraut gemacht haben und oft von dort aus erst professionelle Hilfe in Anspruch nahmen. Ich habe aber auch bei „mkp-deutschland“ viele Männer erlebt, die durch dieses Entdecken große Angst bekamen und sich nicht ihrer ganz eigenen Verantwortung stellen wollten. In diesem Zusammenhang wurde mir auch klar, dass es sehr unterschiedliche Formen von Missbrauch gibt, deren Auswirkungen nicht nur sexuelle Hintergründe haben. Auch emotionaler Missbrauch und auch einmalige Vorfälle können zu schweren psychischen Einschränkungen und psychosomatischen Symptomen führen. Letztlich spielt die Anzahl und die Schwere nicht die entscheidende Rolle, um einen Fall einzuordnen.

Da diese Arbeit meine ganze Aufmerksamkeit gefunden hat und ich hierzu viele Bücher fand und durchgelesen habe, mit vielen Profis in Organisationen wie „Tauwetter“ in Berlin , „basisprevent“ in Hamburg und dem „Weißen Ring“ sprach, kann ich heute jedem Mann, der als Kind diese Erfahrungen machte, nur raten, sich dem zu stellen und sich auf den Weg zu machen.

 

Was ist mir passiert?

Ich wurde vom vierten bis zum siebzehnten Lebensjahr von meiner eigenen Mutter im eigenen Haus regelmäßig sexuell vergewaltigt.
Mit zweiundvierzig Jahren habe ich durch einen Zufall mich an diese Taten erinnert.

Ich wurde durch den Duft eines Nachthemdes darauf aufmerksam und mehrere Trigger lösten meine Erinnerungen aus. Daraufhin habe ich sechs Jahre verschiedene Therapieformen durchlebt und bin heute im Alter von 59 selbst beratender Begleiter von männlichen Klienten.
 

Mein Appell

Die Bedeutung dieser Verbrechen an der Seele, die typischerweise im Verhältnis Mutter-Sohn nur sehr selten mit körperlicher Gewalt - also Verletzungen durch Schläge oder Waffen- einher geht, ist in unserer Gesellschaft nach wie vor völlig unterbewertet.
Das Schweigen ist sehr groß, die verhängten Freiheitsstrafen sind erschreckend gering und die Lobby der Täter ist immer noch sehr mächtig.

Und die Männer, die hier als Opfer eher schweigen, bestärken noch dieses Tabu.

 

P. S.
Wenn Dich dieser Artikel angesprochen hat und Du selbst betroffen bist oder von einem Dir bekannten Mann Hinweise hast, der möglicherweise betroffen ist, sprich darüber und hole dir Hilfe!

 

*Christoph H. Lauterbach

 

Veröffentlicht auf www.männerportal.net

 

 

 

15.12.2017

Terminvereinbarungen

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 15.12.2017

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Mein neuer Webauftritt macht mich stolz. Er macht sichtbar, was und wie ich arbeite.

Nun bin ich freudig gespannt, dass es endlich losgeht hier. Der Raum ist fertig. Leicht zu erreichen in schöner Umgebung.

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